Buchtipp - "In einem Zug" von Daniel Glattauer
"Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?"
Ein ehemals erfolgreicher älterer Autor von Liebesromanen sitzt in einem Zug von Wien nach München. Zufällig ergibt sich ein Gespräch mit einer Frau „frühen mittleren Alters“, einer Physio- und Psychotherapeutin, über die Liebe.
Dieses Gespräch dauert über vier Stunden und ist ein doppelter Dialog:
ein innerer Dialog des Schriftstellers mit sich selbst und ein äußerer Dialog mit der Therapeutin.
In diesen Dialogen geht es um schnelle Urteile, die wir uns über Menschen machen, um die Wahrnehmung der eigenen Rolle in Beziehungen und um die Fähigkeit, einen genauen Blick auf die kleinen unscheinbaren Details zu werfen, die das Wesen der Menschen ausmachen. Wie bereichernd es sein kann, wirklich zuzuhören, erfahren am Ende beide Gesprächspartner.
Die Therapeutin fragt den Autor nach seinen Beziehungen und erfährt, dass er in einer Langzeitbeziehung lebt, die die Mitfahrerin absurd findet.
„Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?“, fragt sie. „Ihre Frage ist klüger als jede mögliche Antwort darauf“, erwidere ich. „Danke. Probieren Sie es trotzdem“, sagt sie.
Drei-Leben-Modell
So beschreibt der Autor seinen „Beziehungserfolg“ mit seiner Frau schließlich so:
Er lebe nach einem Drei-Leben-Modell:
einem Ich: Ich lebe erstens mein eigenständiges Leben
einem Du: Ich lebe zweitens das eigenständige Leben meiner Frau als ihr Lebensbegleiter mit
einem Wir: Ich lebe drittens das Leben zu zweit mit ihr, also unser gemeinsames Leben
So schaue er auf eine erfüllte Beziehung. Er hoffe, dass dies ebenso für seine Frau gelte.