Nah bleiben, wenn es schwer wird

Psychische Erkrankungen und Paarbeziehung

Zahlreiche Studien zeigen, dass psychische Probleme und die Stabilität von Beziehungen in enger Wechselwirkung miteinander stehen.

(c) Ursula Dannhäuser

Schutzfaktoren einer Beziehung

Prof. Dr. Simon Eickhoff vom Forschungszentrum Jülich nennt folgende Faktoren zum Schutz der Beziehungen, wenn bei einer Partner:in eine psychische Erkrankung vorliegt:

  • eine klare und ehrliche Benennung dessen, was die Krankheit für beide Partner:innen bedeutet
  • das Ernst-Nehmen eigener Bedürfnisse und
  • das Teilen von Verantwortung

Er stellt heraus, dass es einen großen Unterschied macht, ob jemand sich oder sein:e Partner:in als „Erkrankte:r“ oder als „“Person, die mit einer Erkrankung lebt“ definiert. Wie sehr wird es der Erkrankung überlassen, die Beziehung zu bestimmen und wie viel eigener Gestaltungs- und Verantwortungsspielraum wird wahrgenommen?

Zentraler Stellenwert von Kommunikation

Noch zentraler als ohnehin in jeder Paarbeziehung wird hier also der Stellenwert von Kommunikation und gegenseitigem Verständnis. Dies ist das Kernfeld von Paarberatung und -therapie. Auch wenn es unerlässlich ist, dass die Partner:in, die mit einer psychischen Erkrankung lebt, sich in ärztliche und/oder psychotherapeutische Behandlung begibt, kann die gemeinsame Gestaltung der Beziehung durch Paarberatungsprozesse hilfreich unterstützt werden.

Paarbeziehungen können im Fall von psychischen Erkrankungen schnell in ein Ungleichgewicht geraten: eine Seite übernimmt die kümmernde, Rücksicht nehmende Rolle, die andere Seite erlebt sich in der schwächeren Position. Phasenweise mag das unvermeidlich sein, als Dauerzustand ist das für beide Partner:innen in aller Regel nicht gut gestalt- und aushaltbar.

Unterstützung durch Paarberatung

Paarberatung kann dabei unterstützen, dass beide Seiten ihre Bedürfnisse wahrnehmen und benennen können. Damit ist eine Grundlage für Rücksichtnahme in beide Richtungen geschaffen, und es wird möglich, Augenhöhe wieder herzustellen.

Zudem kann Paartherapie Positives stärken, das unabhängig von Erkrankung in der Beziehung existiert, und das häufig im Angesicht von krisenhafter Veränderung aus dem Blick gerät.

Schlussendlich geht es – unter etwas erschwerten Bedingungen – um das, was den Kern aller als gut und beständig erlebten Beziehungen ausmacht: die beständige Arbeit daran, sein Gegenüber in seiner Besonderheit zu kennen, zu erkennen und anzuerkennen.

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Erstellt am 24.07.2026